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UV-Spektroskopie an Uranyl-Silikaten

Unterscheidung von Uranophan und Sklodowskit einiger bekannter Fundstellen mittels UV/VIS-Spektroskopie mit einem Eigenbauspektrometer

von Markus Noller und Martin Stark

https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=44501.0

Zusammenfassung
Die intrinsische Uranyl-Lumineszenz bietet wegen ihres charakteristischen spektralen Fingerabdrucks die Möglichkeit, Uranyl-Mineralien zu unterscheiden. Am Beispiel der Uranyl-Silikate Uranophan Ca(UO2)2(SiO3OH)2·5H2O und Sklodowskit (H3O)2Mg(UO2)2(SiO4)2·2H2O wird gezeigt, dass die Unterscheidung dieser Mineralien aufgrund des Lumineszenzspektrums sinnvolle Ergebnisse liefert. Anhand des Spektrums lässt sich Uranophan klar von Sklodowskit mit ähnlichem Habitus trennen. Insbesondere für Uranophan ergibt sich eine gute Übereinstimmung gemessener Spektren mit Referenzdaten. Das Spektrum von Sklodowskit liegt nahe bei dem von Uranocircit, was eine Zuordnung allein aufgrund des Spektrums für dieses Mineral erschwert.

Einleitung
Die grüne Lumineszenz von Uranmineralien unter UV-Anregung bietet einen optisch ansprechenden Anblick, wie zum Beispiel die Lumineszenz eines Sklodowskit-Büschels (Grube Clara, Schwarzwald) in Abbildung 1 zeigt. In Abbildung 2 ist zum Vergleich ein Sklodowskit-Aggregat (in diesem Fall von Lavrion/Griechenland) unter Weisslichtbeleuchtung dargestellt. Über die reine Ästhetik hinaus ermöglicht die Lumineszenz einen experimentellen Zugang, Uranmineralien zu unterscheiden: Weil diese intrinsische Lumineszenz der Uranyl-Ionen UO22+ im Kristallgitter einen für das Mineral weitgehend spezifischen spektralen Fingerabdruck aufweist, könnte die UV/VIS Spektroskopie einen wichtigen Beitrag zur Bestimmung dieser Mineralien leisten.

Sklodowskit xx bei UV@365nm
Sklodowskit xx bei UV@365nm

Unter langwelligem UV-Licht bei 365nm, EDX analysiert; FO: Grube Clara/Schwarzwald; Bildbreite ca. 3,2mm

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Auf optischer Spektroskopie beruhende Screening-Methoden wurden beispielsweise für die Uran-Prospektion oder in der Umweltanalytik im Kontext von Abbau und Lagerung radioaktiver Materialien vorgeschlagen1,2,3. Entsprechend wurden grundlegende spektroskopische Untersuchung durchgeführt 4,6,7, um die vorliegenden chemischen Verbindungen anhand der Spektren kategorisieren zu können.

Sklodowskit xx in Gips xx
Sklodowskit xx in Gips xx

FO: Lavrion/Griechenland; Bildbreite ca. 2,8mm

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Diesem Ansatz folgend wird hier beispielhaft eine spektroskopische Untersuchung der Uranyl-Silikate Uranophan Ca(UO2)2(SiO3OH)2·5H2O und Sklodowskit (H3O)2Mg(UO2)2(SiO4)2·2H2O mit dem Ziel vorgestellt, diese beiden Mineralien (insbesondere von der Grube Clara im Schwarzwald als Fundort) unterscheiden zu können. In ihrem Erscheinungsbild sind diese beiden Mineralien sehr ähnlich und damit ohne weitere Analysen kaum voneinander zu trennen. Auch die rein visuelle Bewertung der Lumineszenz bietet kein sicheres Unterscheidungsmerkmal. Für eine spektroskopische Bewertung, sind neben geeigneter technischer Ausstattung auch die Kenntnis von Referenzspektren der gesuchten Mineralarten nötig. Darüber hinaus müssen potentiell ähnliche Spektren von anderweitig ausgeschlossenen Mineralarten bekannt sein: Mit diesem zusätzlichen Wissen können dann gezielt mögliche Fehlbestimmungen abgefangen werden. An dieser Stelle sei zudem auf die Möglichkeit hingewiesen, dass individuelle Kristalle keine Leuchterscheinung zeigen, auch wenn die Mineralart typischerweise zur Lumineszenz angeregt werden kann. Diese Lumineszenzlöschung kann auf Fremdionen wie Kupfer- oder Eisen-Ionen im Kristallgitter oder eine niedrige Kristallinität der Probe aufgrund vieler Kristalldefekte zurückzuführen sein.

Im Nachfolgenden werden zunächst aus der Literatur bekannte Daten besprochen, um einen Satz an Vergleichsspektren zu erzeugen. Dann werden ausgewählte Stufen mehrerer bekannter Fundorte (Kongo: Shinkolobwe, Musonoi; Deutschland: Grube Clara, Menzenschwand, Großschloppen; Griechenladn: Lavrion) untersucht. Diese Proben wurden unabhängig mittels EDX analysiert, so dass eine Zuordnung der spektroskopischen Ergebnisse zur Elementanalyse möglich ist.


Spektroskopie von Uranyl-Silikaten.
Das Uranyl-Ion UO22+ zeigt seine charakteristische Lumineszenz nicht nur in Lösung und als Fremdion in einem Wirtsgitter wie z.B. in Scheelit8 CaWO4, sondern auch in Uranyl-Mineralien2.

Im UV weist es typischerweise eine breitbandige Anregung von unter 250 nm bis rund 400 nm auf2. Zusätzlich zu dieser breiten Anregbarkeit - durchaus mit hervortretender Struktur - gibt es eine zweite Anregungsbande im Bereich von rund 405 bis 450 nm, die je nach Wirtsgitter eine deutliche Struktur aufweisen kann2. Mit der Struktur des Anregungsspektrums einher geht die optische Absorption2, die sowohl im UV wie im blauen Spektralbereich sehr deutlich ausfällt und zur gelben bis grünen Farbe der Kristalle führt.

Referenzspektrallinien von Uranmineralien
Referenzspektrallinien von Uranmineralien

Referenzspektrallinien von Uranophan (bearbeitet aus Lehmann et al. 2008, JRadNucChem, 275, p.633), Sklodowskit (bearbeitet aus Cunnane 1993 Report No. FEMP/SUB–058, Fernald Env. Rest. Man. Corp, ...

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Die zugehörige Lumineszenzemission besteht typischerweise aus einer Bande im grün-gelben Spektralbereich, wobei je nach Mineral blaue oder rote Anteile hinzukommen. Diese Bande ist typischerweise durch eine mehr oder weniger deutliche Serie von Linien strukturiert, die von den vibronischen Übergängen des lumineszierenden Uranyl-Ions stammen1,2,7. Diese Struktur liefert den spektralen Fingerabdruck, der die Unterscheidung der Mineralien erlaubt. Gelegentliche doppelt auftretende Linien weisen auf die Existenz nicht-äquivalenter Lagen lumineszierender Uranyl-Ionen hin9. Dies kann durch extrinsische Gitterverzerrungen aber auch durch Fremdionen hervorgerufen werden.



Für die hier vorgestellte Untersuchung wurden Spektren von Uranophan, Sklodowskit und Uranocircit aus der Literatur herangezogen. Bei den untersuchten Mineralien wurde nämlich festgestellt, dass auf dem gleichen Stück auftretende, andere Uranyl-Mineralien, die Messung verfälschen können, wenn deren Lumineszenz nicht räumlich sicher abgeblockt werden kann. Beispielsweise beeinflusste in einer ersten Messung die vergleichsweise starke Lumineszenz von Uranocircit die Messung an einer Uranophan-Probe aus Menzenschwand. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Spektren weiterer potentiell auftretender Mineralien wie Uranocircit mit in die Untersuchung aufzunehmen, um bei der Bestimmung der Mineralien solche Einflüsse aufspüren zu können.

Bereits bei der Analyse der Literaturdaten zeigte sich, dass die spektroskopischen Daten eine gewisse Unsicherheit aufweisen. An synthetischem Uranophan gemessene Spektren4 erscheinen am zuverlässigsten, da die Zusammensetzung vollständig bekannt ist und Nebenphasen ausgeschlossen sind. Daneben liegen Daten aus zwei weiteren Quellen3,5 vor. Für Sklodowskit liegen ebenfalls Daten aus drei Veröffentlichungen1,3,5 vor, wobei leider keine Daten an synthetischen Kristallen gewonnen wurden. Zusätzlich sind auch Werte für Uranocircit und Saléeit gegeben 3,6,7. Vergleicht man die Spektren der unterschiedlichen Quellen, so zeigen sich für Uranocircit und Sklodowskit signifikante Unterschiede zwischen den Quellen, was die Zuordnung der Spektren erschwert. Die nachfolgende Tabelle fasst die Werte zusammen. In Abbildung 3 sind die Daten als Linien dargestellt, wobei die Wellenlängen den tabellierten Daten entsprechen, und die relative Intensität als Abschätzung aus Graphen der zitierten Veröffentlichungen extrahiert wurden.



Mineral

Formel

Wellenlängen in nm

Referenz

Uranophan

Ca(UO2)2(SiO3OH)2·5H2O

.., .., 511, 532, 552, ..

5 Gorobets

Uranophan

.., .., 515, 536, 557, ..

5 Gorobets

Uranophan

484.5, 493.8, 512.3, 533.2, 555.6

4 Lehmann

Uranophan

.., .., 503.1, 525.5, 547.0, 570.5

3 Wang

Sklodowskit

(H3O)2Mg(UO2)2(SiO4)2·2H2O

.., 520, 535, 550, ..

5 Gorobets

Sklodowskit

496.6, 516.7,538.7,561.5

3 Wang

Sklodowskit

505, 525, 548, 571

1 Cunnane

Saléeit

Mg[(UO2)(PO4)]2(H2O)10

489, 501.1, 522.1, 545.7, 570.9, 600.9

6 Geipel

Saléeit

.., 502.6, 522.5, 545.3, 569.9, 597.3

7 Massuyeau

Uranocircit

Ba(UO2)2(PO4)2·12H2O

488.1, 503.5, 523.9, 547.0, 572.1, 599.7

6 Geipel

Uranocircit

.., 511.7, 529.7, 550,4, 576.4, 602.6

7 Massuyeau



Eine detaillierte Betrachtung der Spektralwerte für Uranophan zeigt eine gute Übereinstimmung der Daten aus Ref. 4 und 5. Bei Sklodowskit verbleiben größere Unterschiede zwischen den Daten der oben genannten Referenzen. Weiterhin gibt es in der Literatur Hinweise, dass Sklodowskit bei Raumtemperatur nicht luminesziert3: Wang et al präsentieren Messungen bei unterschiedlichen Temperaturen. Auffälligerweise unterscheiden sich die Uranophan-Daten bei diesen beiden Temperaturen, und die Kurven für Sklodowskit und Uranophan überlagern weitgehend. Im Vergleich mit den anderen Referenzen und Ergebnissen eigener Messungen erscheint es möglich, dass hier die Zuordnung von Sklodowskit und Uranophan vertauscht wurden. Im Widerspruch dazu präsentieren Cunnane et al1 Spektren von Sklodowskit bei Raumtemperatur. Für Uranocircit werden in der Literatur ebenfalls unterschiedliche Spektren angegeben6,7. Wegen dieser Unsicherheit werden nachfolgend bevorzugt die Spektren von Lehmann 2008 (für Uranophan, Ref. 4), Cunnane 1993 (für Sklodowskit, Ref. 1) und Geipel 2000 (für Uranocircit, Ref. 6) als Vergleichswerte herangezogen.

Uranophan xx UV
Uranophan xx UV (SNr: 4040)

Aufnahme unter UV-Licht LW (365nm); FO: Grube Krunkelbach/Menzenschwand/Schwarzwald; Bildbreite ca. 10cm; Ex H. Bültemann Sammlung

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Materialien und Methoden.
Es wurden 13 Proben untersucht (Stand Oktober 2017). Die Proben sind wie folgt auf die unterschiedlichen Fundorte verteilt: Grube Christa (Großschloppen, Bayern): 2 Proben; Grube Clara (Schwarzwald, Baden-Württemberg): 3 Proben; Menzenschwand (Schwarzwald, Baden-Württemberg): 4 Proben; Shinkolobwe (Kongo): 2 Proben und Musonoi (Kongo): 1 Probe; Lavrion (Griechenland): 1Probe. Die Untersuchungen wurden mit einem Eigenbauspektrometer und einer handelsüblichen DSLR-Kamera durchgeführt. Zur Beleuchtung wurde eine 365 nm LED (NCSU276A, Nichia) zusammen mit einem 365 nm Bandpassfilter eingesetzt. Der gesamte Aufbau ist hier im Detail beschrieben: (Markus Noller; https://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?topic=44501.0). Wenn nicht anders erwähnt, stammen die EDX-Anaylsen von Joy Desor (Mineralanalytik.de) und Günter Blass.


Resultate und Diskussion
Wie erwähnt zeigt Abbildung 1 Sklodowskit (Grube Clara, Schwarzwald) unter UV-Beleuchtung und Abbildung 4 eine Stufe mit Uranophan und Uranocircit (im Zentrum bzw. am rechten Rand; Stufe aus Menzenschwand, Schwarzwald), jeweils fluoreszenzspektroskopisch und per EDX-Analyse bestimmt. Visuell könnte man in Abbildung 4 den beiden Lumineszenzen kaum unterschiedliche Farben zuordnen. Bei Abbildung 5 handelt es sich um eine Stufe von Musonoi (Kongo) unter UV-Beleuchtung. Dieses Stück war ursprünglich als Sklodowskit gekennzeichnet, erwies sich im Laufe der Untersuchung (fluoreszenzspektroskopisch wie auch per EDX-Analyse) jedoch als Uranophan. Diese drei Beispielbilder zeigen den visuellen Eindruck der untersuchten Lumineszenz.

Nr

ursprüglicher Sammlungszettel

spektrale Zuordnung

Zuordnung EDX

Bemerkung

1

Uranophan(Großschloppen)

Uranophan

Uranophan

2

Sklodowskit(Shinkolobwe)

Uranophan

Uranophan

zeigt im Spektrum zusätzliche Linien-Signatur

3

Sklodowskit(GrubeClara)

Sklodowskit

Sklodowskit

Unabhängige Messungen in 2 Laboren, keine Verunreinigungen. Lediglich an einem einzelnen Messpunkt geringste Spuren von Na, Al und P.

4

Sklodowskit(Musonoi)

Uranophan

Uranophan

5

Uranophan(Shinkolobwe)

Uranophan

Uranophan

zeigt für einen Messpunkt Beiträge von Cu

6

Uranophan(Großschloppen)

Uranophan

Uranophan

7

Uranophan(Menzenschwand)

Uranophan

Uranophan

8

Uranophan(Menzenschwand)

Uranophan

Uranophan

9

Uranophan(Menzenschwand)

Uranophan

Uranophan

10

Uranophan(GrubeClara)

Uranophan

Uranophan

11

Uranophan(GrubeClara)

Uranophan

Uranophan

12

Uranocircit(Menzenschwand)

Uranocircit

Uranocircit

13

Sklodowskit(Lavrion)

Sklodowskit

Sklodowskit

Fund beschrieben in Ref. 10

Von sämtlichen Proben wurde zusätzlich zur Spektralanalyse die Elementzusammensetzung mittels EDX bestimmt. Tabelle 2 fasst die Daten nochmals zusammen. Die Zuordnung einer Probe zu einer Mineralart erfolgte primär anhand der Elementdaten. Im Vergleich, aber unabhängig davon ermittelt, liefern die Spektraldaten dieselbe Zuordnung, was die Leistungsfähigkeit der Methode, im hier betrachteten Fall der Uranyl-Silikate Uranophan und Sklodowskit, unterstreicht. Tatsächlich konnten über die Lumineszenzdaten zwei ursprünglich fehlerhaft zugeordnete Stufen korrekt bestimmt werden (in der Tabelle hervorgehoben, ebenso wie Sklodowskit und Uranocircit). Entsprechend der korrekten Bestimmung wurden die Bezeichnungen in den Bildunterschriften bereits angepasst. Nachfolgend werden die gemessenen Spektren von Uranophan, Sklodowskit und Uranocircit besprochen.

Uranophan xx bei UV@365nm
Uranophan xx bei UV@365nm

FO: Musonoi/Kongo; Bildbreite ca. 8mm

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Uranophan. Abbildung 6 zeigt zwei stark unterschiedliche Spektren von Uranophan. Zum einen das sehr deutlich strukturierte Spektrum eines Uranophans von der Grube Clara, Schwarzwald. Deutlich sind mehrere Ordnungen aus der Serie der vibronischen Übergänge des Uranyl-Ions zu unterscheiden. Die scharfe Linienfolge weist auf eine hohe Kristallinität und geringe Verunreinigung der Probe hin. Im Gegensatz dazu ist das Spektrum eines Uranophans aus Shinklobwe, Kongo, auf der roten Seite deutlich verbreitert und erscheint verwaschen. Dennoch ist die Hauptlinie bei rund 512 nm klar zu erkennen und die weitere Linienfolge auszumachen, sodass das Spektrum zuordenbar bleibt. Zusätzlich zu den Daten sind die Referenzlinien aus Lehmann 2008 dargestellt.
Nimmt man die weiteren Messungen hinzu (Abbildung 7), so zeigt sich ein nahezu fließender Übergang zwischen den oben genannten Spektren. Mögliche, ebenfalls lumineszente Fremdbeimengungen können auftreten, wie beispielsweise an den scharfen Linien um 600 nm im Spektrum eines Uranophans aus Shinkolobwe, Kongo, sichtbar ist. Die Zuordnung ist dadurch aber nicht gestört, wie der Vergleich mit den Referenzdaten aus Lehmann 2008 zeigt.

Lumineszenzspektren von Uranophan
Lumineszenzspektren von Uranophan

Zwei extreme Ausprägungen der Lumineszenzspektren von Uranophan. Die große Anzahl klar sichtbarer Linien der Serie vibronischer Übergänge des lumineszierenden Uranyls im Spektrum des Uranophans der...

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Lumineszenzspektren von Uranophan verschiedener Fundorte
Lumineszenzspektren von Uranophan verschiedener Fundorte

Die Lumineszenzspektren von Uranophan verschiedener Fundorte zeigen eine gute Übereinstimmung mit den Messungen an synthetischem Uranophan (extrahiert aus Lehmann, et al., J. Radioanalyt. Nuc. Chem...

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Sklodowskit und Uranocircit. In Abbildung 8 sind die gemessenen Spektren der beiden per EDX-Analyse bestätigten Sklodowskit-Proben zusammengestellt. Die Peak-Wellenlängen passen sehr gut zusammen. Wie bei Uranophan gibt es aber Abweichungen der relativen Intensität zwischen den Banden, was bereits durch unterschiedliche Kristallqualitäten oder Verunreinigungen erklärbar ist. Die Deutlichkeit dieser Abweichungen in der relativen Intensität ist auch der Art der Normierung für die Darstellung geschuldet. Wählt man beispielsweise eine Normierung auf das Peakmaximum bei 503 nm, fällt dieser Effekt weniger deutlich aus. Die gemessenen Spektren von Sklodowskit und Uranocircit (Abbildung 9) sind voneinander verschieden und beide deutlich strukturiert, weisen aber auf die Problematik in der Zuordnung hin. Zwar lassen sich beide Spektren deutlich von Uranophan unterscheiden - zum Vergleich sind in Abbildung 10 das Spektrum eines Uranophans und eines Sklodowskits, je aus der Grube Clara zusammengestellt - untereinander sind die Spektren allerdings nur unterscheidbar, wenn sie wie die hier vorliegenden Daten eine hohe Qualität der Linien aufweisen. Im Fall eines verbreiterten Spektrums in Analogie zu Abbildung 5 wäre eine Unterscheidung der Spektren kaum noch möglich. Die Zuordnung zu einer Mineralart allein aufgrund des Lumineszenzspektrums wäre in solch einem Fall als problematisch anzusehen. Darüber hinaus erscheint das Referenzspektrum aus Cunnane 1993 nicht optimal gewählt. Um das gezeigte Spektrum abzusichern sind weitere Messungen nötig. Wünschenswert wären zudem Spektraldaten von synthetischen Kristallen.

Spektren unterschiedlicher Fundorte
Spektren unterschiedlicher Fundorte

Die Lumineszenzspektren zweier Sklodowskit-Kristalle von unterschiedlichen Fundorten (Grube Clara/Schwarzwald und Lavrion/Attika) passen von den Bandenlagen gut zusammen. Messungen von M. Noller 2017

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Lumineszenzspektren von Uranocircit und Sklodowskit
Lumineszenzspektren von Uranocircit und Sklodowskit

Die Lumineszenzspektren von Uranocircit und Sklodowdskit ähneln einander. Zusätzlich sind Literaturdaten mit dargestellt (bearbeitet aus Geipel, Radiochim. Acta, 88 (2000) p.757 und Cunnane 1993 Re...

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Lumineszenzspektren von Uranophan und Sklodowskit
Lumineszenzspektren von Uranophan und Sklodowskit

Die Lumineszenzspektren der Uranyl-Silikate Uranophan und Sklodowskit von der Grube Clara, Schwarzwald, sind deutlich voneinander zu unterscheiden. Messungen von M. Noller 2017.

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Schlussfolgerung
Es konnte gezeigt werden, dass die Uranyl-Silikate Uranophan und Sklodowskit anhand ihrer UV/VIS Lumineszenz unterscheidbar sind. Während für Uranophan eine Zuordnung aufgrund des Spektrums möglich erscheint, liegt das Emissionsspektrum von Sklodowskit nahe bei dem von Uranocircit, was eine sichere Zuordnung erschwert. In jedem Fall ist es angemessen, zur Spektraluntersuchung zusätzliche Informationen heranzuziehen, um eine Bestimmung des Minerals durchführen zu können. Inwieweit der vorgestellte Ansatz sich auf weitere Uranyl-Mineralien ausweiten lässt, bedarf zusätzlicher Untersuchungen, zumal die zugängliche Literatur deutliche Unterschiede in den Spektren einzelner Mineralarten aufweist - wünschenswert wären insbesondere Spektren synthetischer Mineralien als Referenz.


Anmerkung. Die hier untersuchten Mineralien sind radioaktiv. Bei Lagerung, Probenvorbereitung und Versuchsdurchführung wurden die notwendigen Maßnahmen (wie beispielsweise sichere Aufbewahrungsbehältnisse, kleinste Probenmengen, kurze Verweildauern, Sauberkeit am Arbeitsplatz, persönliche Schutzausrüstung sowie auch begleitende Messungen mit geeigneter Strahlenmesstechnik) angewendet, um die radioaktive Belastung von Mensch und Umwelt durch und während der Untersuchungen so gering wie möglich zu halten.


Literatur
(1) Cunnane, J. C., Gill, V. R., Lee, S. Y., Morris, D. E., Nickelson, M. D., Perry, D. L., & Tidwell, V. C. (1993). Uranium soils integrated demonstration: Soil characterization project report (No. FEMP/SUB–058). Fernald Environmental Restoration Management Corp., Cincinnati, OH (United States); Fluor Daniel Environmental Restoration Management Corp., Fernald, OH (United States).
(2) deNeufville J.P. et al, "Selective detection of uranium by laser-induced fluorescence: a potential remote-sensing technique. 1: Optical characteristics of uranyl geologic targets" Applied Optics Vol. 20, Issue 8, pp. 1279-1296 (1981)
(3) Wang, Z., Zachara, J. M., Gassman, P. L., Liu, C., Qafoku, O., Yantasee, W., & Catalano, J. G. (2005). Fluorescence spectroscopy of U (VI)-silicates and U (VI)-contaminated Hanford sediment. Geochimica et Cosmochimica Acta, 69(6), 1391-1403.
(doi:10.1016/j.gca.2004.08.028)
(4) Lehmann, S., Geipel, G., Foerstendorf, H., & Bernhard, G. (2008). Syntheses and spectroscopic characterization of uranium (VI) silicate minerals. Journal of Radioanalytical and Nuclear Chemistry, 275(3), 633-642.
(doi: 10.1007/s10967-007-7060-z)
(5) Gorobets, B. S. (2002). Luminescent Spectra of Minerals: Reference-book. RPC VIMS.
(6) Geipel, G., Bernhard, G., Rutsch, M., Brendler, V., & Nitsche, H. (2000). Spectroscopic properties of uranium (VI) minerals studied by time-resolved laser-induced fluorescence spectroscopy (TRLFS). Radiochimica Acta, 88(9-11), 757-762
(7) Massuyeau, F., Perry, D. L., Kalashnyk, N., & Faulques, E. (2017). Spectroscopic markers for uranium (VI) phosphates. Part II: the use of time-resolved photoluminescence. RSC Advances, 7(2), 919-926.
(8) Blasse, G. (1987). On the emission colour of the luminescence of hexavalent uranium in oxides. Inorganica chimica acta, 129(1), 115-118.
(9) Plaisier, J. R., Ijdo, D. J. W., de Mello Donega, C., & Blasse, G. (1995). Structure and luminescence of barium uranium disilicate (BaUO2Si2O6). Chemistry of materials, 7(4), 738-743.
(10) Simon, P. & Kapellas, K. (2017): Uranmineralien und rote Barytkristalle: Erstfund von Sklodowskit in Lavrion, Griechenland. Lapis, 42 (7-8), 58-65.

Aktuelle Version: V2.0, weitere Messdaten eingebunden, 18.10.2017 Autor:Lynx
V1.0, 04.09.2017 Autor:Lynx


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